Roter Sand, schwarze Felsen, Flusslandschaften. Der Fischerweg, der von São Torpes bis Lagos am Meer entlang führt, ist landschaftlich gleichermaßen vielfältig und spektakulär. Und nein, man wird der vielen Strände nicht überdrüssig! Die insgesamt 13 Tagesetappen sind mit 11 bis 23 km gut machbar und in den kleinen Ortschaften, die als Etappenziele dienen, gibt es Unterkünfte in verschiedenen Preisklassen, leckere Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Diese Infrastruktur vereinfacht das Planen und macht den Weg zu einer guten Einstiegsoption ins Fernwandern.
Hätte es im Juli 2025 nicht so verdammt viel geregnet, wären wir wahrscheinlich in Cornwall gelandet. Aber der Plan für diesen Wanderurlaub war ein anderer: den Sommer verlängern. Und dafür bietet sich Portugal Mitte September perfekt an. Im Süden des Landes lockt zudem ein besonderer Weitwanderweg: die Rota Vicentina oder Trilho dos Pescadores, in Deutschland bekannt als Fischerweg oder Fischerpfad. Perfekt ist ein Zeitraum von ein bis zwei Wochen für diese Reise – je nachdem, ob du alle Etappen oder nur den beliebtesten Teil der Strecke gehen möchtest. Ideal eignen sich dafür die Monate Februar bis Mai sowie Oktober und November.
Sieben Tipps vorab
Unterkünfte an den Etappenzielen und Busse von und nach Lissabon am besten vorab buchen. Der Busanbieter ist Rede Expressos, die Preise sind günstig, die Sitzplätze nummeriert.
Ausreichend Bargeld mitnehmen. Das wirst du manchmal für Hotels und relativ oft in Restaurants und Cafés brauchen.
Lange Wanderhose und / oder Gamaschen tragen um so weniger Sand in die Schuhe zu bekommen. Außerdem unbedingt eine Kopfbedeckung und ausreichend Sonnencreme mitnehmen! Es gibt wirklich wenig bis keinen Schatten.
Leicht packen, außer beim Wasser: davon mehr mitnehmen. Übrigens schmeckt das Leitungswasser zwar nicht so lecker, ist aber trinkbar.
Auf Ebbe und Flut achten, wenn du Strandabschnitte erkunden willst! Die Küsten sind steil.
Mut haben, Strecken abzukürzen: Auf den ersten neun Etappen bieten sich dafür zum Beispiel der Weg von Sines bis São Torpes und von Rogil bis Aljezur an.
Am Vorabend einen Blick auf die Strecke werfen und schauen, ob und wo man einkehren kann. Ansonsten mehr Proviant mitnehmen, zum Beispiel auf der Etappe 2, 3, 8 und 9.
Planung: Reisezeit und Wegstrecken
Insgesamt erstreckt sich der Fischerweg über 226 km, die sich auf 12 bis 13 Tagesetappen verteilen lassen. Als schönste Etappen gelten die zweite bis fünfte Etappe, zwischen Porto Covo und Odeceixe. Entsprechend ist hier aber auch meist mehr los, als auf dem Rest der Strecke. Die Wegstrecken sind bis zu 23 km lang pro Tag, die Anzahl der Höhenmeter bleibt überschaubar. Eine besondere Herausforderung ist das Laufen im Sand, angenehm für platte Füße, anstrengend für die Beinmuskeln. Teil des Fischerwegs sind zahlreiche Strände. Baden war im September möglich und wirklich schön, aber das Wasser des Atlantik ist eisig und die Wellen hoch.
Wir waren von Mitte bis Ende September auf dem Fischerweg unterwegs. Im Sommer ist es hier zu heiß, im Dezember und Januar wiederum kann es ungemütlich windig werden und einige Services wie Gepäcktransport und Unterkünfte bleiben geschlossen. Ideal sind Oktober und November sowie Februar bis Mai. Wer im September und Juni unterwegs sein möchte, muss etwas hitzeresistenter sein. Es waren zwar nur 25 Grad auf dem Thermometer, aber beim Wandern sind die nicht zu unterschätzen.
- 1. Etappe: Sines bis Porto Covo (18 km)
- 2. Etappe: Porto Covo bis Vila Nova de Milfontes (ca. 20 km)
- 3. Etappe: Vila Nova de Milfontes bis Almograve (15km)
- 4. Etappe: Almograve bis Zambujeira do Mar (22 km)
- 5. Etappe: Zambujeira do Mar bis Odeceixe (18,5 km)
- 6. Etappe: Odeceixe bis Aljezur (22,5 km)
- 7. Etappe: Aljezur bis Arrifana (17,5 km)
- 8. Etappe: Arrifana bis Carrapateira (21,5 km)
- 9. Etappe: Carrapateira bis Vila do Bispo (16 km)
Für diese neun Etappen reichen eineinhalb Wochen, da die Anreise ab Lissabon einfach und schnell funktioniert. Ein schöner Ausklang oder Einstieg kann sein, noch Zeit in Lissabon oder am Meer zu verbringen. Oder du nutzt zwei Wochen, um alle Etappen zu wandern. Konkret wären das noch Vila do Bispo bis Sagres, Sagres bis Salema, Salema bis Luz und zuletzt Luz bis Lagos, wobei viele diese letzten beiden Etappen über insgesamt 23 km an einem Tag verbinden.
Ankommen und rumkommen
Von den meisten Flughäfen sollte die einfachste und günstigste Option ein Direktflug nach Lissabon sein. Je nachdem, wie du deine Route gestalten möchtest, kannst du mit dem Bus nach Lagos fahren und nach Norden laufen oder du nimmst einen Bus bis Sines (2,5 Stunden) – oder direkt bis Porto Covo. Wenn du Strecken abkürzen musst oder möchtest, ist Bolt eine gute Option, ansonsten Taxi oder Linienbus. Die Rückreise ist ab Sagres oder Lagos möglich. Ab Sagres dauert die Fahrt gute 4 Stunden und kostet 12 Euro pro Person (Stand 2025). Noch ein Hinweis bei der Buchung auf der Seite von Rede Expressos: Es gibt ein Feld, in dem man seine NIF eintragen soll. Hier unbedingt BEIDE Felder (Card Holder und NIF) leer lassen, um bezahlen zu können – außer du hast eine portugiesische Steuernummer.
Organisierte Reise buchen oder selbst planen?
Kurze Antwort: Ich würde die Wanderreise auf jeden Fall wieder selbst planen.
Lange Antwort: Bereits der erste Blick auf Anreise und Wanderroute klang so, als wäre alles gut selbst zu organisieren. Die Unterkünfte wollten wir vorab buchen und das würde ich auf jeden Fall empfehlen, um Zeitdruck vor Ort zu vermeiden. Die Preise habe ich direkt bei den Unterkünften am Ende des Beitrags vermerkt, sie bewegten sich zwischen 17,50 und 43 Euro pro Nacht und Nase.
Auf dem Weg findet man sich gut zurecht. Er ist zu 90% sehr gut mit einem grünen und einem blauen Strich beschildert. Die Farben des Fischerwegs. Teils verläuft er parallel zum gelb-rot-markierten historischen Pfad. Eine App wie Komoot oder Outdooractive kann hilfreich sein, um an den weniger gut markierten 10% des Weges zu prüfen, ob man richtig läuft, und um am Vorabend auf die Route zu schauen und entsprechend Proviant einzupacken. Alternativ bietet sich dafür ein kleiner Wanderführer im Buchformat an. Nicht selbst getestet, aber öfter gesehen habe ich Rota Vicentina von Rother Wanderführer und den Wanderführer Portugal: Fischerweg von Nina Rühlig.
So viel zum Planen, jetzt kommen wir zur Route im Detail mit Tipps zu Stränden, Pasteis und Restaurants!
Etappe 1: Sines bis Porto Covo
In der Mittagszeit starten wir direkt an der Bushaltestelle hochmotiviert in Sines, wo uns nur ein paar Straßenkatzen begegnen und es sonst eher leer und grau aussieht. Kein Taxi in Sicht, aber wir sind optimistisch: Es sind ja nur 8 km bis zum eigentlichen Startpunkt. Spoiler: Wenn man kein großer Fan von Autobahnspaziergängen ist, dann einfach abkürzen und ein Taxi nach São Torpes nehmen. Man macht zwar gut und schnell Strecke, da fast alles an oder direkt neben der Straße ist, aber keine Strecke, die man gesehen haben müsste. Nach einem Stopp im Café São Torpes und einem ersten Pasteis, sind wir einfach froh, den Startpunkt zu erreichen.
Der Strand von São Torpes ist lang und ausladend, im Rücken bleiben die Schornsteine der Fabriken von Sines, das Gefühl des Wanderns stellt sich ein. Es geht leicht auf und ab, die ersten Meter durch den Sand und ein Stück des Weges können wir die Wanderschuhe ausziehen und direkt durchs kühle Meerwasser laufen. Alles in allem ein sanfter Einstieg und speziell das letzte Stück vor Porto Covo ist richtig schön: der Sandweg verläuft direkt oberhalb des Meeres und zur Linken ist alles Grün. Porto Covo selbst ist uns direkt sympathisch: blau weiße Häuser, ein paar Läden und Restaurants, ein süßes Hostel. Abends essen wir im Restaurant „La Bella Vita“ die beste Auberginen-Lasagne, dazu gibt’s Sangria und Mousse au Chocolat. Auf der Dachterrasse des Hostels spielen unsere Zimmernachbarn gerade Karten mit Stirnlampen. Gute Inspiration fürs nächste Mal.
Etappe 2: Porto Covo bis Vila Nova de Milfontes
Auch beim Frühstück punktet Porto Covo: bei „O Sorriso“ gibt es viele vegetarische Optionen, herzhafte Sandwiches oder direkt einen Pfannkuchenturm mit Obst. Ansonsten startet der Tag etwas mystisch moody mit dunklen Stränden. Es geht direkt ein kurzes Stück über den Strand und dann auf Sandwegen weiter die Küste entlang. Ein Blick zurück auf Porto Covo muss sein. Danach weiter und immer am Strand entlang, in der Ferne entdecken wir eine Insel mit Ruine drauf und können die Schuhe ausziehen. Danach verläuft der Weg oberhalb der Klippen mit enorm weiter Sicht.
Auf hellen Sand folgen dunkle Felsen direkt im Wasser, dann rote Klippen. Ein abwechslungsreicher Mix aus Sand- und Felsstränden wie dem Praia do Queimado, tolle Fernsicht und zwischendurch stehen ein paar niedrig wachsende Nadelbäume neben den sandigen Wegen. Kurze Abschnitte führen uns sogar durch kleine Wälder, danach folgt ein langer Sandstrand und gegen Ende des Tages durchqueren wir eine Art Mondlandschaft. Landschaftlich definitiv einer der spektakulärsten Abschnitte, aber auch einer der sandigsten und entsprechend anstrengend. Das Etappenziel Vila Nova de Milfontes ist größer, als wir dachten und bietet viele Einkaufsmöglichkeiten. Richtig schön ist der kleine historische Stadtkern sowie die Flussmündung und das weitläufige Ufer direkt am Ortsrand. Nach dem Sonnenuntergang gönnen wir uns vegetarische Burger in der „Bar Cá P´Ramim“ mit Blick auf einen wuseligen Platz und verlockende Schmuckstände.
Etappe 3: Vila Nova de Milfontes bis Almograve
Der Tag beginnt mit einer Abkürzung: Statt 4 km über die Autobahnbrücke zu laufen, investieren wir 5 Euro pro Person in eine kurze Bootsfahrt über den Fluss, direkt an den großen Sandstrand. Bald darauf folgen kurze Abschnitte durch niedrig wachsende Bäume, die einem teils näher kommen, als gedacht. Der Untergrund wechselt von hellem zu rotem Sand und wieder zurück, bevor ein richtiges Highlight in Sichtweite kommt: der enorm lange und breite Sandstrand Praia do Brejo Largo. Vereinzelt liegen schwarze Felsen mit länglichen Rillen auf dem feinen Sand und man kann dem Strand richtig lange folgen, muss allerdings aufpassen, wo es wieder nach oben geht und auf die Gezeiten achten, damit die Wellen nicht plötzlich den Weg abschneiden. Wir kehren am Ende um und setzen die Wanderung oberhalb der Klippen fort Trotzdem lohnenswerte Extraschritte und ein super Ort für eine ausgedehnte Mittagspause.
Das letzte Wegstück prägen die rötlich gefärbten Sukkulenten. Es geht etwas landeinwärts auf einfach und schnell begehbaren Wegen auf Almograve zu. Gut so, denn der kleine Ort hat einen schönen Strand und die Kürze der Strecke macht es möglich, dort am Ende des Wandertages noch schwimmen zu gehen und sich den Sonnenuntergang anzusehen. Almograve ist einer der kleinsten Orte und das Angebot an Restaurants mit vegetarischen Gerichten überschaubar, aber „Sabores e Mar“ direkt am Kreisverkehr überrascht uns mit einer leckeren Linsen-Bolognese sehr positiv.
Etappe 4: Almograve bis Zambujeira do Mar
Der frühe Morgen fühlt sich wie Herbst an: kühl, etwas nebelig und mit Blick auf die Nadelbäume vor unserem Fenster. Zum Frühstück ist um 7.30 Uhr schon das Buffet aufgebaut, im Minimercado gibt es keine Samosas mehr, dafür Brote und kleine Maiskuchen. Der erste Teil des Weges führt uns erneut über den Hügel und Holzsteg in Richtung Strand. Hier herrscht Aufbruchstimmung, viele brechen parallel zu uns auf. Was heute im Kopf bleibt sind die Rot- und Orangetöne, die wunderschönen Farbkontraste und der Wind. Oberhalb der Küste hält man es trotz Sonne langärmelig gut aus. Orientierung bietet der fotogene Leuchtturm von Cabo Sardão. Zugang zum Meer haben wir kaum, aber die Buchten beeindrucken! Versteckt und geheimnisvoll liegen sie unter uns. Auf den großen Felsen nisten im Frühling Störche über den Wellen des Atlantiks. Ihre Nester entdecken wir vom Weg aus. Nach ungefähr halber Gehzeit erreichen wir Cavaleiro. Zeit für Kaffee, Eis und das bisher beste Pasteis im Café Adélia.
Insgesamt warten auf Etappe 4 weniger Sand, mehr Holzwege sowie Wegstücke, die landeinwärts führen. Wir kommen an ein paar Fischerhäuschen vorbei, die einer verlassenen Filmkulisse gleichen. Die letzten 2 km führen uns an einer schnurgerade Straße entlang durch den Wald an zahlreichen Bänken und Trimmstationen vorbei. Ein letzter Schwenk nach links zum Ort, dann einchecken, Socken waschen und Pizza essen. Richtig coole Kombinationen hat „Pizza Piccolino“. Innen ist es gemütlich und der Service super flott – da schaffen wir es sogar zum Sonnenuntergang. Von der Promenade in Zambujeira do Mar hat man einen tollen Blick übers Meer, von der Kirche aus zurück auf die Häuser, die sich langsam im Abendlicht färben.
Etappe 5: Zambujeira do Mar bis Odeceixe
Direkt im Café neben unserem Hotel gibt es zum Start in den Tag erst mal ein riesiges Pan Tostado mit Käse und Tomaten. Immer wieder eine Aufgabe. Die Route an diesem Tag hatte der Hotelbesitzer in Porto Covo sehr passend betitelt mit „easy, hard, boring“. Am Anfang geht es sehr gut und flott voran mit richtig schönen Ausblicken und direkt zwei ziemlich spektakulären Stränden. Am Praia do Carvalhal ist gerade Ebbe, also können wir die Felsen inspizieren, die Miesmuscheln und Seepocken genauer betrachten und Spiegelungen im nassen Sand bewundern. An den Praia dos Machados setzen wir uns eine Weile. Traumhafte Landschaft und kaum Menschen! Auf dieser Strecke fallen die vielen kleinen Pfade auf, welche die Fischer zum Meer hinab nutzen und dem Fischerweg seinen Namen geben. Als Wanderer ist es trotzdem wichtig, auf den offiziellen Wegen zu bleiben – im Sinne der Natur und der eigenen Sicherheit. Stichwort: Erosion.
Ein Stück gehen wir an diesem Tag durch den Wald und zum ersten Mal müssen wir etwas mehr kraxeln, tatsächlich mal die Hände benutzen und bei der ein oder anderen natürlichen Stufe einen vorsichtigen Schritt machen. Einige Wegstellen im Schatten sind matschig. Wer nicht einsinken will, geht weiter außen. Für einen Abstecher zu einem besonders schönen Strand, muss man einmal vor einer Brücke den Schildern zur Praia Amalia nach rechts folgen und gelangt unter einer Art Palmendach hindurch an den windstillen Strand. Theoretisch super zum Baden, wir machen nur eine Pause, da noch 10 km vor uns liegen. Zurück nach oben, dann über die Brücke und eine Leiter, führt der Weg weiter auf und ab, immer wieder mit grandiosen Aussichten. In Azenha do Mar kann man super einkehren. Das Café Palhinhas wirkt ehrlicherweise auf den ersten Blick, als habe es seine guten Tage längst hinter sich. Der Schein trügt. Hier wartet neben blumiger Aussicht auf die Klippen ein grandioser Schokoladenkuchen und auch die warmen Speisen sahen gut aus.
Den folgenden Streckenabschnitt im Inland kennzeichnen Farne und Plantagen, dann geht es zurück in den Wald und nochmal ein kurzes aber sehr schönes Stück an der Küste entlang, bis der Blick frei wird auf den Strand von Odeceixe – eingerahmt von Meer und Fluss. Definitiv eine der spektakulärsten Aussichten. Ideal für eine letzte Pause. Schwimmen klappt leider nicht, da der Strand durch einige Höhenmeter und den Fluss von uns getrennt liegt. Außerdem liegt unser Etappenziel Odeceixe weitere 3 km landeinwärts. Rechts des Weges erstreckt sich eine sumpfige Flusslandschaft, links mit Eukalyptusbäumen bewachsene Hügel. Über uns fliegen riesige Schwärme von Schwalben. Odeceixe begrüßt Wanderer mit bunten Wänden und ist einer der schönsten Orte auf der Route. Ganz oben steht eine Mühle mit tollem Blick über Dorf und Flusslandschaft, perfekt für den Sonnenuntergang. Durch die Gassen spazieren zutrauliche Katzen und wir entdecken erneut ein tolles Restaurant namens AO Largo und dessen Linsen-Burger.
Etappe 6: Odeceixe bis Aljezur
So viel vorab: der sechste war unser Durchhänger-Tag und das lag vor allem an dem langen, staubig-heißen Wegstück von Rogil bis Aljezur. Hier also Top-Tipp: Kürze die Strecke einfach mit Taxi oder Bus ab. Vor allem an heißen Tagen! Aber von Anfang an: Der Tag beginnt mit einem leckeren Rührei im Restaurant vom Vorabend – hier bestellen wir auch zwei Sandwiches zum Mitnehmen. Dann laufen wir wieder Richtung Strand – diesmal auf der anderen Flussseite, an Kühen vorbei mit Blick zurück auf Odeceixe und die Mühle, die über allem thront. Der Großteil der ersten 3 km führt an der Straße entlang und etwas bergauf, trotzdem warten schöne Ausblicke und dank des einfachen Untergrunds lässt sich Strecke machen. Einmal stoppen am Praia de Odeceixe muss sein. Füße ins Wasser, denn: das ist an diesem Tag der einzige Strand in Reichweite. Entlang des Weges entdecken wir zahlreiche Klippen und Felsformationen, die von oben sehr cool anzusehen, aber außer Reichweite sind. Mein Favorit ähnelt einem schlafenden Drachen im Wasser.
Nach einem kurzen Stück an der Küste geht es etwa 4 km durchs Inland und es gibt sogar ein bisschen Schatten, dann nochmal an die Küste. Aber selbst dort ist es so gut wie windstill und ziemlich heiß. Umso wichtiger sind Sonnencreme und Kopfbedeckung. Zurück in Richtung Inland geht es mit Weg und Laune bergab. Der Fischerweg deckt sich hier mit Teilen des historischen Weges, die Sonne brennt und ein gutes Stück geht es wieder an der Straße entlang. Auf zwei Drittel dieser Strecke erreichen wir Rogil, den uncharmantesten Ort der ganzen Reise. Einziger Pluspunkt: Es gibt mehrere Supermärkte und eins der besten Pasteis in der Konditorei Pão do Rogil. Nach Rogil folgt eine sehr lange und sehr staubige Straße. Die Bäume zu weit entfernt, als dass sie Schatten spenden könnten. Anfangs freuen wir uns noch über die Kühe und die steppenartige Landschaft, aber es ist einfach zu warm. Gegen Ende kommen wir an einem Campingplatz im Eukalyptuswald vorbei, dann haben wir ein Wegstück mit ganz schönen Ausblicken in die grüne Berglandschaft. Und die letzten Kilometer geht es über viele kleine Steinchen extrem steil bergab auf Aljezur zu. Der erste Blick auf die Stadt bessert die Laune und die Eukalyptusbäume spenden Schatten.
In Aljezur werden wir von ein paar Schafen begrüßt, es warten eine Menge Läden und Restaurants, wobei das meiste leider schon geschlossen ist. Dennoch ist die Stadt deutlich größer und belebter als die anderen Orte. Theoretisch gibt es sogar eine Burg, aber leider sind wir zu k.o. und sehen nur noch die Pizzeria Arte Biancho, wo napolitanische Trüffel-Süßkartoffel-Pizza und Limonaden sehr zu empfehlen sind. Um mehr Zeit und Energie für Burg und Bummeln in Aljezur zu haben, kürz´ diese Etappe ab. Ansonsten Daumen hoch für süße Tiere, schöne Landschaften und menschenleere Wanderwege und Strände!
Etappe 7: Aljezur bis Arrifana
Der Tag beginnt früh und lecker am Markt in Helena Gomez´ Café. Hier finden wir das mit Abstand beste Pasteis der Reise und dabei war das Café do Mercado auch die einzige zeitlich sinnvolle Option. Das Pan Tostado mit Tomate ist wieder eine richtige Aufgabe, und darauf folgt direkt der Aufstieg zur Kirche, durch eine kleine Hotelanlage und danach noch steiler über einen Schotterweg. Es belohnen die schönen Blicke ins Grün und dank der Uhrzeit ist es noch angenehm kühl. Selbst das nächste Stück an der Straße entlang funktioniert einfach und als wir eine Wohngegend erreichen, bietet sich eine grandiose Aussicht hinunter auf den in der Sonne glitzernden Fluss Aljezur. Auf Sumpflandschaft folgen Traumstrände: Zuerst der Praia da Amoreira und kurz darauf, der Praia de Monte Clérigo. Pastellig bunte Häuschen im Hintergrund, Sand und Surfer im Vordergrund, dazu diese Dünen. Perfekt für eine Pause, bevor es zwischen den hübschen Häusern wieder nach oben und weiter an beeindruckenden Steilhängen entlanggeht. Unterhalb liegen dunkle Felsformationen in den Wellen und wir kommen an den Resten einer Burgruine vorbei. Erste Palmen tauchen am Wegrand auf und immer wieder schwirren Libellen umher. Schließlich führt der Pfad weg von der Küste und durch den Wald – diesmal mit Schatten und cooler Landschaft, aber unklarer Wegführung. Also genau aufpassen, wo man lang muss. Ganz am Ende geht es wieder eher durch Grasland dahin, dann sehr steil bergab und nach Arrifana dann wieder steil nach oben. Es sind immer die letzten Kilometer, die schlauchen.
Arrifana ist ein Surfer-Ort, die Unterkünfte sind hip und liegen alle an einer Straße entlang, die zum Meer führt. Es gibt eine Menge Parkplätze jedoch keinen Supermarkt in der Nähe und irgendwie kein für uns erkennbares Zentrum. So spielen sich der Rest des Abends und nächste Morgen rund um den Strand und unser Hostel ab. Erst mal heißt es: endlich Schwimmen! Der weitläufige Strand liegt in einer geschützten Bucht mit hohen Felsen und einer Felsnadel, die aus den Wellen heraussticht. Unser Abendessen finden wir direkt oberhalb des Strandes bei CAL Arrifana, die ungewöhnliche Gerichte zum Teilen anbieten. Wir entscheiden uns für Süßkartoffel-Auflauf und Creamy Rice im hübschen Garten des Lokals. Von hier kann man einfach über die Straße laufen und einen Blick auf Sonnenuntergang und Abendhimmel werfen.
Etappe 8: Arrifana bis Carrapateira
Obwohl diese Etappe eine der längsten Strecken umfasst, war sie entspannter, als gedacht. Das Frühstück im Hostel ist eine super Kombi aus Jogurt-Bowl und Avocado-Toast für 8 Euro. Außerdem lassen wir uns ein zweites Sandwich für 5 Euro als Proviant einpacken. Ab Arrifana startet der Pfad am Wald entlang, dann ins Inland mit steigenden Temperaturen, ein Stück am Strand entlang und danach geht es ziemlich viel und eher steil bergauf. Deutlich mehr Höhenmeter und weniger Pausen machen den Morgen sportlich, bis aus dem Nichts ein Café am Wegrand auftaucht und wir um kurz vor Mittag ein Eis essen müssen. Ist ja heiß. Gut, dass es anschließend ein ganzes Stück durch Eukalyptuswald geht und der Weg im Schatten liegt. Irgendwie wieder eine ganz besondere Landschaft.
Highlight des Tages ist der längste Strand unserer ganzen Route: 3 km können wir am Praia do Bordeira direkt im Sand laufen. Da lohnt es sich, die Schuhe auszuziehen, eine Sandwich-Pause zu machen, Strandläufer zu beobachten und die Füße ins Wasser zu halten. Fast am Ende des Strandes entdecken wir eine wunderschöne rote Felsformation mit Bögen und einer großen Palette an Rottönen. Ein genialer Kontrast zum Meer und den wagemutigen Pflanzen, die an einigen Stellen im Fels wachsen. Spektakulär sind die riesigen Dünen, die fast dahinter beginnen und sich bis Carrapateira ziehen. Sieht aus wie eine Wüste. Umso mehr überraschen die beiden Eisvögel oberhalb des kleinen Flusses am Rande der Dünen. Dort entlang geht es auf den letzten Metern auf Carrapateira zu und wir stellen fest: man hätte erst hierher laufen, einchecken und die Sachen abstellen können und dann nochmal zum Strand. So sind wir passend zum Sonnenuntergang da. Eine schöne Lichtstimmung zum Abendessen. Im Restaurant Alecrim gibt es eine richtig leckere vegetarische Lasagne.
Etappe 9: Carrapateira bis Vila do Bispo
Abends ist zwar früh Feierabend in Carrapateira, aber morgens öffnet selbst der Minimarkt laut Google erst ab 9 Uhr. Zeit, nochmal Ordnung in den Rucksack zu bringen. Und dann festzustellen: die Auswahl im Supermarkt ist so mäßig und keine 30 m weiter kann man in einem kleinen Café doch schon frühstücken. Gut, dass diese Etappe kurz ist. Nach einem Stück Inland führt der Wanderweg relativ bald wieder zurück ans Meer und vorbei an den Mauerresten eines ehemaligen Fischerdorfes und einer Aussichtsplattform. Anschließend laufen wir abwärts auf einen breiten Strand mit Felsen aller Farben zu: den Praia do Amado. Einige Surfer sind bereits in den Wellen unterwegs, für uns geht es vom Strand wieder landeinwärts, am Wald entlang und insgesamt deutlich schneller, als die Karte vermuten lässt. Es folgen einige Auf- und Abstiege auf breiten Wegen ohne Schatten, dafür mit kleinen Steinchen und schönem Blick ins Inland und aufs Meer. Die Höhenmeter sind an Etappe 7 bis 9 deutlich mehr als auf den ersten Strecken, aber man geht weniger im Sand, sodass ein gutes Tempo möglich ist.
Zurück am Meer, wird es Zeit für eine Pause am kleinen Strand, bestehend aus Dünen und schwarzen runden Steinen, die gestapelt zwischen uns und dem Meer liegen. Dahinter: zur Linken ein Felsen, der an ein gigantisches Krokodil erinnert, zur Rechten eine Felsnadel. Der letzte Strand unserer Wanderung – da kann man kurz emotional werden, bevor es zurück ins Inland geht. Vorbei an zahllosen gelb blühende Pflanzen und Bäumen, teils steppenartige Flächen unter wolkigem Himmel. Auf dem folgenden Stück neben der Straße grüßen uns motivierte Radfahrer, Schafe grasen neben uns. Und plötzlich taucht schon Vila do Bispo auf! Es geht sanft den Hügel hinunter und direkt in die Stadt. Geschafft! Darauf ein Kaffee und das dritte Pasteis dieses Tages.
Unsere letzte Station, Sagres, erreichen wir mit Bolt und einer weiteren Mitfahrerin für 2 Euro pro Person und speisen sehr gut und günstig im indischen Restaurant Holi Diwali. Unser folgender Strandtag ist leider ein Sturmtag, die Wellen dafür sehr beeindruckend. Und immerhin können wir im noch kostenlosen Areal direkt vor der Festungsanlage einen Blick in Richtung Leuchtturm Cabo de São Vicente werfen und sehen beide Stadtstrände. Optisch besser hat uns Tonel (westlich der Stadt) gefallen, da er wilder wirkt und coolere Wellen hat. Zum Schwimmen oder Kaffee trinken trotz Regen eignet sich der Strand von Mareta (östlich der Stadt) besser.
Fazit
Der Fischerweg kann ein super Einstieg ins Fernwandern sein. Die Strecken sind zwar lang, aber die Höhenmeter größtenteils überschaubar. Die Infrastruktur erleichtert das Planen auf eigene Faust und ermöglicht es, Streckenabschnitte zu überspringen. So komplett allein und fernab der Zivilisation fühlt man sich im Vergleich zu anderen Wanderungen selten, aber die Landschaften sind nicht minder spektakulär. In den teils wirklich kleinen Orten sehr positiv überrascht hat uns die Auswahl an vegetarischen, oft sogar veganen Gerichten. Wenn du nach einer schönen Kombi aus Wandern und Meer suchst, ist der Fischerweg perfekt für dich!
Unterkünfte im Überblick
Ahoy Hostel in Porto Covo (50 Euro): Absolut hervorzuheben ist der nette Inhaber, der uns auf seiner Landkarte, die von tiefen Kugelschreiber-Furchen gezeichnet ist, genau den Verlauf der Wanderung erklärt, wie die Teilstrecken sind und wann wir uns vorab Proviant kaufen sollten. Die Unterkunft verfügt über zwei geteilte Bäder, einen schönen Aufenthaltsraum mit Küche und eine Terrasse im ersten Stock. Wir hatten ein Achtbettzimmer gebucht, das sich als Vierbettzimmer herausstellte. Alles war sauber.
Alojamentos Vitinho in Vila Nova de Milfontes (65 Euro) liegt etwas außerhalb des historischen Zentrums, ist aber fußläufig nicht weit entfernt. Hier hatten wir ein sauberes, kleines Zimmer mit eigenem Bad und einem schönen Patio mit Tisch und zwei Stühlen, perfekt für ein Glas Wein oder Frühstück. Die Besitzerin war sehr nett und hilfsbereit.
Pousada de Juventude in Almograve (55 Euro): Das war erst mal ein kleiner Schock, als wir ankamen, denn das Eisentor direkt hinter dem Ortsschild, wurde seit vermutlich 15 Jahren nicht mehr bewegt. Von der anderen Seite kommend sieht es besser aus: die Rezeption ist ab dem mittleren Nachmittag besetzt, das Zimmer war funktional und sauber, das Gemeinschaftsbad ebenfalls sauber und das Frühstück gut. Insgesamt okay.
Casa da Praia in Zambujeira do Mar (86 Euro): Hier wartete eindeutig eines der schönsten Zimmer mit eigenem Bad und eine tollen, geteilten Terrasse, auf der auch am späten Nachmittag im September noch die Sonne scheint. Erneut eine sehr nette Besitzerin, die nur Portugiesisch spricht. Hat trotzdem gut geklappt.
Residencia do Parque in Odeceixe (35 Euro): Für diesen verrückt günstigen Preis bekamen wir ein bisschen alte Welt, aber ein erstaunlich großes Zimmer mit eigenem Bad, Shampoo und Balkon zum Socken trocknen. Alles war sauber, es gab ausreichend Wäscheleinen mit Blick auf eine grüne Wand und Teile der Stadt.
FlorAL in Aljezur (77 Euro): Von dieser Unterkunft am meisten in Erinnerung ist mir der sauber-blumige Geruch geblieben, passend zum Namen des Hotels. Die Einrichtung ist modern und sehr hübsch, die Dusche toll und die Lage super.
The Lighthouse Hostel in Arrifana (81 Euro): In diesem Surfer – Yoga – Chiller Hostel war alles sehr hübsch und neu. Es gibt sogar einen Pool und gemeinsame Aktivitäten wie Pizza-Abende. Dieses Hostel würde sich super anbieten für einen Tag Pause. Das Frühstück kostete 8 Euro für Bowl, Toast und Kaffee oder 5 Euro für Sandwich und Kaffee.
Hostel do Mar in Carrapateira (75 Euro): Dieses Hostel war im Verhältnis Preis, Leistung und Größe tatsächlich die unspektakulärste Unterkunft. Es war alles sehr sauber und hübsch mit der Terrasse. Der Preis ohne Frühstück und mit Gemeinschaftsbad sowie kleinem Zimmer mit einem Stockbett und relativ wenig Platz schien uns etwas hoch.
Kichershome in Sagres (80 Euro) war auch eine der teureren Unterkünfte allerdings war hier ein sehr großzügiges Frühstück inbegriffen mit Rührei, Kuchen, Kaffee, Brot, Käse, Gemüse und Saft. Wir hatten ein modern eingerichtetes Zimmer im Erdgeschoss mit kleiner Terrasse und ein geteiltes, sehr sauber Badezimmer.
Draft Hostel & Rooms sowie Ambiente in Lissabon (je 70 Euro): Unser erstes Hostel in Lissabon war sehr nah an der Altstadt und vom Flughafen gut zu erreichen, das Frühstück war gut, das kleine Zimmer süß, nur etwas hellhörig. Im zweiten Hostel waren wir tatsächlich nur wenige Stunden, das Zimmer war großzügig und modern, die Lage praktisch zum Flughafen.
(Preis pro Zimmer, Stand September 2025)
