Südtirol habe ich bei meiner Hüttentour von seiner wilden und einsamen Seite kennengelernt, aber auch das urbane Südtirol hat mich wirklich begeistert. Die typische Reisezeit ist der Herbst, aber im Frühling zeigt sich Südtirol von einer anders farbenfrohen Seite: Apfelblüte, Tulpen, pink und weiß geschmückte Kastanienbäume. Und dazu eine Menge Aktivitäten, die bei jedem Wetter funktionieren. Lust auf Inspiration für ein langes Wochenende?
Ankommen und rumkommen
Nach Südtirol mit dem Zug oder Bus? Das klappt super, besonders wenn du dich auf die Städte konzentrierst. Fernbusse sind zum Beispiel ab München günstig und die Fahrt dauert nicht viel länger als mit dem Zug. Vor Ort nutzt du Bus und Bahn kostenlos mit einer Gästekarte vom Hotel. Mit dem Auto wiederum bist du in einer Gruppe, mit Hund oder einfach spontan auch flexibel, was Stopps betrifft. Von München aus sind es etwa vier Stunden Anfahrt, vor Ort gibt es zahlreiche, aber teure Parkhäuser; kostenlose Parkplätze sind die Ausnahme.
Stopp am Achensee
Wer von München aus fährt, hat verschiedene Optionen für coole Stopps. Für uns geht es in etwa zwei Stunden die komplette Westseite des Tegernsees entlang mit tollen Perspektiven auf Wasser und Berge bis zum Achensee. Er wird häufig als Karibik Österreichs beworben und Tatsache: die Farbe ist der Wahnsinn! Von der südlichen Spitze nahe Maurach kann man in beide Richtungen am Ufer entlang spazieren und das Türkis des Sees vor Felswänden unterschiedlicher Schattierungen bewundern. Das Wasser ist Anfang Mai noch kalt, der Wasserstand erschreckend niedrig. Stege und Bootshäuser auf dem Trockenen liefern kuriose Fotomotive, stimmen aber nachdenklich. Wunderschön ist die Gegend dennoch. Vom Achensee aus erreichen wir in zwei Stunden Terlan und unsere Unterkunft, den Linslhof, oberhalb des Dorfes.
Ein Nachmittag in Terlan
Auf dem Linslhof beziehen wir die Wohnung Quarz. Großzügig, sehr sauber und perfekt für fünf Personen. Das Highlight ist der Blick vom Balkon! Nachdem wir die Festivitäten zum 1. Mai knapp verpasst haben, lassen wir uns Zeit auf dem Weg zum Ortskern. Neben der Straße wachsen Lilien, Rosen, Lavendel und Rosmarin zwischen den Weinreben. Kombiniert mit den charmanten alten Gutshöfen ergeben sich romantische Postkartenmotive. Und über allem thront die Burgruine Maultasch, die man auf Wanderwegen ab Terlan zu Fuß erkunden kann. Die Kirche ist sehenswert und im Frühling eingerahmt von blühenden Kastanienbäumen. Genauso wie der Biergarten des Restaurants Oberhauser, wo es leckere Pizza mit Spargel und Bozener Soße gibt. Sie ähnelt eher einem Eiersalat aber passt erstaunlich gut auf die Pizza. Also mutig sein und ausprobieren!
Ein Tag in Meran
In Meran ist Markttag – die Suche nach dem Parkhaus gestaltet sich entsprechend aufregender als gedacht. Vom Parkplatz Plaza (enge Stellplätze und Auffahrt) laufen wir in Richtung Tappeinerweg. Ein Muss in Meran, wird dieser Weg doch als „eine der schönsten Höhenpromenaden Europas“ gehandelt und ist mit 3 Kilometer überschaubar und entspannt. Gestiftet und benannt nach dem Südtiroler Arzt Franz Tappeiner für die Gäste des Luftkurortes Meran, hat man auch heute noch traumhafte Ausblicke auf Stadt und Eschtal. Außerdem wachsen entlang des Weges rund 400 Pflanzenarten. Palmen im Vorder- und schneebedeckte Gipfeln im Hintergrund, an Weinreben vorbei und an einigen Felsformationen, wo früher Gletscher waren. Das letzte Stück laufen wir auf den Pulverturm zu, dessen vier Stockwerke man erklimmen oder von unten bewundern kann. Gleich daneben befindet sich ein Biergarten. Wir spazieren weiter zur Steinernen Brücke. Sie ist wohl römischen Ursprungs, wurde in ihrer heutigen Form aber erst Jahrhunderte später gebaut. Jetzt kann man hier die Kajakfahrer in den Wellen des Flusses beobachten.
Wenige Meter weiter beginnt das älteste Stadtviertel Merans: das Künstlerviertel Steinach. Hier treffen charmante, teils bröckelige Villen auf Street Art. Unsere Runde führt uns an der Stadtmauer und einem Mammutbaum vorbei zur Postbrücke, der schönsten Brücke Merans. Im Jugendstil gehalten, ist sie selbst ein gutes Fotomotiv und zugleich ein super Spot für tolle Perspektiven auf Stadt, Berge und Kastanien. Vor allem das Kurhaus ist ein Blickfang. Eröffnet und feierlich eingeweiht an Silvester 1914. Wenige Meter von der Postbrücke entfernt lohnt sich ein Spaziergang durch die Wandelhalle an der Winterpromenade. Im Inneren befinden sich Bilder der umliegenden Ortschaften wie Terlan oder Ritten mit seinen Erdpyramiden. Nach einem Eis am Fluss geht es über eine enge Gasse hinauf zur Kirche, die St. Nikolaus geweiht ist, dem Schutzheiligen der Kaufleute. Die Fresken und einige der Grabsteine rund um die Kirche sind sehr gut erhalten. Auch die berühmten Laubengassen aus dem 13. Jahrhundert lohnen einen Besuch.
Wer Zeit und Lust hat, kann einen Abstecher ins Frauenmuseum machen. Von außen recht unauffällig, ist das Innere des Gebäudes sehr interessant: es handelt sich um ein ehemaliges Kloster. Im dritten Stock ist das kleine Museum untergebracht. In verschiedenen Schaukästen, Texten und Statistiken werden Themen wie Frauen im Job, Schönheitsideale und Care-Arbeit sowie Sexualität behandelt. Mittig im Raum steht der erste Geschirrspüler – erfunden von einer Frau, angemeldet zwangsläufig unter dem Namen ihres Mannes. Ein Stockwerk unterhalb der Dauerausstellung finden wechselnde Ausstellungen statt. Plane für das Museum am besten eine bis zwei Stunden ein, je nachdem wie schnell und viel du liest.
Abschließend spazieren wir die Kurpromenade entlang, die ihr Entstehen diversen Überschwemmungen zu verdanken hat. Eine eiserne Brücke und einige Rosen bieten schöne Fotomotive. Hinter dem Kurhaus essen wir im Restaurant Forstbräu zu Abend. Die Kaiserschmarrn-Mousse ist extrem lecker!
Bozen und die Bilderburg
Über den Waltherplatz und vorbei an der größten Kirche der Stadt, ist unser erstes Ziel in Bozen der berühmte Obstmarkt. Immer montags bis samstags werden hier von 8 bis 19 Uhr Obst, Gemüse, Käse, Honig und Wein sowie Blumen und Gewürze verkauft. Die Stände in dunklem Grün sind fest installiert. Dahinter befinden sich fotogene, mehrstöckige Häuser. In Bozen kann man sich treiben lassen und über Laubengassen, Ladengeschäfte oder einen perfekt gestylten Friseur freuen. Im Franziskanerkloster sehen wir uns die Fresken und den Innenhof an. Anschließend machen wir einen kleinen Abstecher zum Schloss Maretsch, das eher einer Burg gleicht und umgeben von Weinreben auch als Eventlocation vermietet wird. Von hier bieten sich verschiedene Wanderungen an: über die Oswaldpromenade zum Schloss Runkelstein zum Beispiel.
Die „Bilderburg“ beeindruckt auf den ersten Blick mit ihrem verwunschenen Charme und dem Duft nach Rosmarin. Geführte Touren kosten 13 Euro (auf Deutsch), der Eintritt mit Audioguide 10 Euro. Die insgesamt 18 Kapitel sind kurzweilig und unterhaltsam, sie geben eine interessante Einordnung von Schloss Runkelstein und lenken den Blick durch die detailreichen und bunten Fresken. Ihrerseits die weltweit größte und am besten erhaltene Sammlung mittelalterlicher, nicht-religiöser Fresken. Eins meiner Highlights ist das größte Zimmer im obersten Stockwerk des ersten Gebäudes. Hier ist die Burg selbst abgebildet sowie verschiedene Szenen, die mittelalterliche Spiele, Tänze und die Jagd zeigen. Mein zweites Highlight ist die Galerie an einer der Außenwände, auch Sommerhaus genannt. Bunte Fassade zur einen Seite, Blick auf die Burganlage und das bergige Umland auf der anderen. Zusätzlich zu den Audios gibt es einen interaktiven Teil der Ausstellung. Das Ende der Tour markiert die Kapelle. Wirklich ein sehenswerter Ort – selbst wenn du nur einen Tag in Bozen hast, lohnt sich der Abstecher!
Zurück ins Zentrum nehmen wir den kürzesten, entspannten und grünen Weg über die Wasserwand. Links Herrenhäuser, Weinstöcke und Bergpanorama, rechts Parkanlage und Eiscreme-Stände. Zum Abendessen geht es in die Franziskanerstube, wo wir ganz italienisch gemütlich draußen sitzen können. Der Klassiker hier sind zu Recht die Schlutzkrapfen mit Ricotta-Spinat-Füllung. Genial ist auch das Erdbeertiramisu.
Brixen-Stopp
Das meistgenutzte Synonym für Brixen dürfte die „Bischofsstadt“ sein. Und tatsächlich ist die Dichte an Klöstern und Kirchen bemerkenswert. Allein auf dem Weg zum Dom kommen wir auf gut 100 Metern an drei Klöstern vorbei. Im Kreuzgang, der direkt in den Dom übergeht, spazieren wir durch die halboffenen Gänge und staunen über die farbenfrohen Fresken an den Decken. Auf dem Hauptplatz lässt sich in der Sonne nochmal gut pausieren und danach durch die Gassen spazieren. Besonders schön sind die Laubengänge und die Gasse beim Finsterwirt sowie der Blick von der Adlerbrücke zurück. Und es sei vermerkt: in Brixen finden wir einen kostenlosen Parkplatz am Ende der Goethestraße direkt bei einer der vielen Kirchen.
Fazit
Der Herbst ist die typische Zeit für einen Urlaub in Südtirol, aber da kann der Frühling locker mithalten. Speziell die Städte bieten eine gute Mischung an Aktivitäten, wenn das Wetter nicht so mitspielt. Während mir Bozen eher jung, lebendig und trubelig aber wirklich hübsch in Erinnerung bleibt, wirkt Meran gediegener, schicker und etwas mediterraner. Und wie oft in Italien gilt: die Städte selbst sind die Sehenswürdigkeit. Also einfach ein paar persönliche Must-Sees aussuchen und ansonsten treiben lassen, selbst erkunden und sich zwischendurch einen Aperol gönnen.
